Philosophie
Der spätere amerikanische Präsident Abraham Lincoln war seit 1836 Rechtsanwalt und betrieb neben seiner politischen Karriere eine Anwaltskanzlei. In seinem Nachlass findet sich ein auf das Jahr 1850 datierter Text eines Vortrages mit dem Titel "Notes On The Practice Of Law".
Es ist nicht bekannt, ob Lincoln diese Rede jemals gehalten hat. Die Ausführungen, die nachstehend gekürzt wiedergegeben werden, sind aber auch nach mehr als 150 Jahren eine lesenswerte Mahnung und die Leitlinien unserer Arbeit:
"Die Leitlinie für den Rechtsanwalt - wie für jeden, der einer Berufung folgt - muss Eifer und Fleiß sein. Lasse nichts bis morgen liegen, was heute erledigt werden kann. Lasse niemals Deine zu erledigende Korrespondenz anwachsen. Wann immer Du ein Schriftstück in der Hand hast, erledige all' das, was im Moment erledigt werden kann, bevor Du es auf die Seite legst. Wenn Du eine Klage erheben sollst, schreibe die Klageschrift in dem Moment, in dem Du alle Fakten beisammen hast. Wenn Rechtsfragen zu klären sind, recherchiere und notiere sie so, dass Du Sie wieder auffinden kannst, wenn dies notwendig ist. …
Veranlasse Deine Mitmenschen, wann immer möglich, zu einer einverständlichen Konfliktlösung. Verdeutliche Ihnen, dass auch derjenige, der auf den ersten Blick der Gewinner zu sein scheint, häufig einen Verlust erleidet - an Honoraren, Auslagen und Zeit. Als Konfliktlöser hat der Rechtsanwalt die einzigartige Möglichkeit, Gutes zu tun. Es wird trotzdem genug Arbeit geben. Ermutige nicht zum Prozessieren. Es gibt kaum einen schlechteren Menschen als jenen, der andere zum Prozessieren anstachelt. … Die Anwaltschaft muss sich bewusst sein, auch eine moralische Aufgabe zu erfüllen, und daher solche Personen von sich fernhalten. ... "
Quelle: Speeches & Writings of Abraham Lincoln,1859-1865 (Library of America). Abraham Lincoln , Don E. Fehrenbacher, 1989.
